Sex im Alter

Sex im Alter

Auch wenn das unglaublich klingen mag: Das Alter setzt für Sex keine Grenzen und die Orgasmusfähigkeit bleibt meist bis ins hohe Alter erhalten. Das sexuelle Interesse steigt etwa bei Frauen bis zum 35. Lebensjahr stetig an und bleibt dann lange auf diesem Niveau. Laut Umfragen hat etwa ein Drittel der Frauen zwischen 60 und 80 Jahren Sex und noch weit mehr äußern zumindest Interesse daran. Die Erregungsphase im Vorspiel kann im höheren Alter etwas verlängert sein. Die Gründe dafür: Mit zunehmendem Alter haben Frauen häufig Probleme mit dem „Feuchtwerden“. Die Scheidenhaut produziert jedoch weiter Flüssigkeit, nur etwas langsamer. Je größer die Erregung ist, desto mehr Flüssigkeit kann die Scheidenwand benetzen. Die Erregbarkeit ist zwar verlangsamt, unterliegt aber den gleichen Mechanismen wie bei jüngeren Frauen: Stress, Ängste, Konflikte mit dem Partner oder Schmerzen können sich nachteilig auswirken. Nach den Wechseljahren sinkt auch der Östrogenspiegel im Blut ab und die Scheide wird nicht mehr so gut mit Nährstoffen versorgt. Die Scheidenwand kann so auch für Infektionen anfälliger werden. Durch Östrogengabe, entweder als Tabletten eingenommen oder als Creme eingeführt, kann die Problematik der „trockenen Scheide“ gemildert oder behoben werden. Für den Geschlechtverkehr gibt es auch geruchsneutrale und geschmacklose Cremes, um die Gleitfähigkeit in der Scheide zu erhöhen.  Eine Gebärmutterentfernung ist an sich kein Hinderungsgrund für ein erfülltes Sexualleben. Durch die Operation können sich jedoch Schmerzen durch Verwachsungen im Bauchraum oder Narben einschränkend auf das sexuelle Interesse auswirken und das Lusterlebnis mindern.
Einer solchen Operation folgen bisweilen auch seelische Schmerzen, weil der Körper durch den Verlust der Gebärmutter als nicht mehr intakt empfunden wird. Wurden auch die Eierstöcke entfernt, sinkt auch der Östrogenspiegel. Dadurch kommt es öfter zu einer schlechteren Durchblutung der Scheide. Ein Problem für die sexuelle Aktivität im Alter ist Harninkontinenz. Der unkontrollierte Harnverlust während des Geschlechtsverkehrs stört  Frauen, oder sie schämen sich so sehr, dass sie sexuelle Kontakte meiden. Inkontinenz lässt sich aber in einigen Fällen gut therapieren. Beschwerden können sowohl durch Medikamente oder eine Operation gebessert werden.  Ein Training der Beckenbodenmuskulatur, das jede Frau selbst durchführen kann, hilft auch sexuell agil zu bleiben. Einen entscheidenden Einfluss auf Alterssexualität hat die gesellschaftliche Tabuisierung der Geschlechtlichkeit älterer Menschen. Deshalb nimmt die Häufigkeit sexueller Kontakte im Durchschnitt kontinuierlich ab. Dies schließt jedoch nicht aus, dass man im höheren Alter in den sexuellen Präferenzen Veränderung vornimmt. Altersbedingte Veränderungen der Sexualität beginnen bereits um das 40. Lebensjahr. Die meisten Frauen erleben im darauf folgenden Lebensjahrzehnt hormonelle Veränderungen, die das Klimakterium (Wechseljahre) einleiten. Bei einigen Männern tritt in dieser Zeit ein als Midlife Crisis bezeichneter Einschnitt in ihrem Leben auf. Je nach Lebensumständen wird der Zeitraum zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr  liegen. Von Alterssexualität spricht man in der Regel jedoch erst ab einem deutlich höheren Alter als dem 60. Lebensjahr.
Laut Umfrage in der Altersgruppe der 51- bis 60-Jährigen in einer Partnerschaft lebenden Männern waren noch 89 Prozent sexuell aktiv. Bei Frauen waren es 85,6 Prozent. In der Gruppe der über 80-Jährigen sind noch 30,8 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen sexuell aktiv. Wesentlich geringer sind die Prozentsätze von Menschen die nicht in einer Partnerschaft leben.

Redaktion: Gerhard Krause

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