Rheuma und Athritis

Millionen Menschen leben weltweit mit Rheuma, dem Überbegriff für mehr als hundert verschiedene Krankheitsbilder. Eine der häufigsten Formen ist dabei die rheumatoide Arthritis. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer. In Österreich leiden etwa 60.000 Menschen an rheumatoider Arthritis. Die Erkrankung entwickelt sich sehr rasch, wodurch nur ein kurzes Zeitfenster für den sinnvollen Start einer Therapie verbleibt, wie Experten beim letzten „World Athritis Day“, der in Wien stattgefunden hat, fast gleichlautend erklärt haben. Wesentlich für eine erfolgreiche Behandlung sind eine frühzeitige Diagnose und eine rasche medikamentöse Therapie, um irreversible Gelenksschäden zu vermeiden und die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit der Betroffenen erhalten zu können.

Bereits seit den 1990er Jahren werden neben der Schmerzbehandlung auch Basistherapeutika eingesetzt. Führen diese nicht zum gewünschten Erfolg, kommen Biologika zum Einsatz, deren Wirkung auf der gezielten Hemmung der entzündungsfördernden Botenstoffe beruht. Diese Medikamente haben in den letzten 20 Jahren den Verlauf der Erkrankung revolutioniert, sodass heute ein Stillstand der Krankheit, das erklärte Behandlungsziel darstellt.

In den letzten Jahren hat sich hinsichtlich der Versorgungssituation in Österreich viel getan: Die Überweisung vom praktischen Arzt zum Facharzt erfolgt rascher, Akutsprechstunden wurden eingeführt und Rheumaschwester übernehmen Teile der Patientenbetreuung. Akutsprechstunden dauern im Schnitt 15 Minuten und sollten flächendeckend eingeführt werden, um allen Patienten einen zeitnahen Termin zu offerieren. Dr. Rudolf Puchner, niedergelassener Internist aus Wels, setzt sich in Oberösterreich seit drei Jahren stark dafür ein: „Eine flächendeckende Einführung von Akutsprechstunden wäre natürlich wünschenswert, aber dies ist noch ein weiter Weg.“

Aus Sicht der Patienten sieht Dr. Sigrid Pilz, Wiener Pflege- und Patientenanwältin, den Lifestyle-Faktor als essenzielle Säule in der Therapie. Dazu gehört Gesundheitswissen, Handlungswissen und eine realistische Einschätzung der Behandlungsziele. „Ich sehe es als Aufgabe der Primärversorgung, Patienten in einer Art Coaching zu begleiten und sie über die Wichtigkeit von Ernährung und Bewegung aufzuklären. Uns ist es besonders wichtig, dass ein Wissenstransfer bei den Patienten stattfindet.“ Es gibt allerdings nach wie vor zu wenige Rheumatologen vor allem im niedergelassenen Bereich und lange Wartezeiten an den Ambulanzen. Generell ist die Betreuung der Patienten aufwendig, da Rheumatoide Arthritis eine chronische Erkrankung ist, die in Schüben verläuft, Beeinträchtigungen in alle Lebensbereichen mit sich bringt.

Die Einnahme von Medikamenten ist komplex, weil subkutane/iv Applikation der Biologika notwendig sind. Bis dato sind ausschließlich parenterale Biologika bei Rheumatoide Arthritis verfügbar. Seit Einführung der Biologika stehen viele Behandlungsoptionen zur Verfügung, die den Krankheitsverlauf beeinflussen und irreversible Gelenksschäden verhindern können. Dem Therapieziel konnte damit sehr nahe gekommen werden, allerdings werden nach wie vor nicht alle Patienten damit erreicht. Der raschen Diagnose und der ebensolchen Überweisung zum Facharzt kommt die größte Bedeutung zu.

In die nahe Zukunft geblickt: Es ist zu erwarten, dass durch neue Therapien mit alternativen Wirkansätzen und Darreichungsformen bislang ungedeckte Bedürfnisse gedeckt werden können. Neue Therapien, neue Wirkmechanismen und neue Medikamente (Tabletten, etc.) werden die Möglichkeiten einer individuellen Betreuung der Betroffenen verbessern helfen.

Text: Gerhard Krause