Pensionsschock

Man glaubt es kaum: Der lang ersehnte Ruhestand ist nicht das Paradies für jeden Pensionisten. Vielmehr erlebt fast jeder Dritte einen Schock, wenn der übliche Lebensrhythmus, die Erfolgsmomente und das Gefühl, gebraucht zu werden wegfallen. In Österreich hat sich für diese Lebenssituation der Begriff „Pensionsschock“ etabliert.

Unserer Medizin, vielen Vorsorgemaßnahmen, dem sozialen Standard und dem allgemeinen Gesundheitsbewusstsein sei Dank: Der Ruhestand dehnt sich aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung im Normalfall auf einige Jahrzehnte aus. Das klingt wunderbar, birgt aber auch Tücken in sich. Denn mit dem Ende der Jahrzehnte dauernden beruflichen Tätigkeit fallen viele Aufgabenbereiche weg, ebenso das Arbeitsumfeld mit seinen sozialen Komponenten; nicht zuletzt ändert sich der Lebensrhythmus komplett. Generell gilt: Je zufriedener und angesehener im Beruf, desto größer die Gefahr eines Pensionsschocks. Unter diesem Blickwinkel gilt eines: Die Pension gehört geplant – und zwar unter Einbeziehung der Wünsche des Lebenspartners. Immerhin verbringt man im Ruhestand wesentlich mehr Zeit miteinander. Hier schlummern auch Konflikte, die mit einer sinnvollen Planung vermieden werden können.

Zeitgerecht einstimmen

So wie sich viele Arbeitnehmer bereits ein, zwei Jahre vor Ende ihrer Tätigkeit über die Bedingungen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses, über die Pensionshöhe, die Abfertigungszahlung etc. informieren, sollte man sich auch auf die Pension vorbereiten, um nicht von ihr „überrascht“ zu werden. Vergleichbar mit einem Einkaufszettel, kann man sich schon Jahre vorher notieren, was man im Ruhestand alles erleben oder auch erledigen möchte. Ebenfalls von Vorteil: In sich hineinhorchen, ob nicht irgendeine Tätigkeit als neues Hobby in Frage kommt. Auf diese Weise entsteht mit der Zeit eine Liste, die sicherstellt: Es gibt einiges zu tun, wenn plötzlich mehr als acht Stunden pro Tag zusätzliche Zeit zur Verfügung stehen. Wer Angst davor hat, wie im Berufsleben eine Liste abarbeiten zu müssen: Es ist nicht mehr erforderlich, konsequent Punkt für Punkt im gewohnten Tempo hinter sich zu bringen; man hat schließlich die Muse, das zu tun, was – abgesehen von ein paar Notwendigkeiten – gerade Spaß macht.
Grundregel: Was auch immer man tut, man sollte es genießen.

Was tun?

Die lang ersehnte ausgedehnte Urlaubsreise zum Pensionsantritt ist gemacht (ein ca. dreiwöchiger Urlaub als Übergangsphase wird von Psychologen sogar empfohlen!), Freunde wurden besucht und es wurde der Ruhestand gefeiert, vielleicht wurde mit dem Geld aus der Abfertigung die Wohnung neu eingerichtet und/oder ein neues Auto gekauft – kurz: Die erste Phase der neuen Freiheit ist „überstanden“. Was nun?
Die Medien – und hier im Speziellen die Werbung – präsentieren uns seit Jahrzehnten das Bild des lebenslustigen rüstigen Ruheständlers, der braungebrannt durch die Welt jettet, sein Leben genießt, Neues ausprobiert uvm. Nun, man kann über Medien und Werbung denken was man will, hier haben beide Recht. Nur die Beine hochlagern und den Tag dahinplätschern lassen ist für die wenigsten von uns empfehlenswert. Zu schnell stellen sich Fadesse und ein Gefühl der Unzulänglichkeit ein. Es gibt aber zahlreiche Ansatzpunkte, um die „Landung“ im Ruhestand nicht all zu hart werden zu lassen:
• Wer noch aktiv sein möchte und seinen Beruf bis zum Schluss gerne ausgeübt hat, könnte z. B. weiterhin eine zeitlich eingeschränkte Tätigkeit im bisherigen Job anstreben. Außerdem sind ehemalige Mitarbeiter des Öfteren in beratender Funktion für ihr früheres Unternehmen sehr geschätzt; und die Geldbörse freut sich auch darüber.
• Falls sich in dieser Hinsicht keine Tür auftut besteht die Möglichkeit, Berufserfahrungen und fachliches Know-how als Vortragender bei Bildungseinrichtungen einzubringen.
• Vereine, (Hilfs-)Organisationen, verschiedenste öffentliche Einrichtungen etc. bieten ebenfalls die Möglichkeit, Tagesfreizeit sinnvoll zu verbringen, Gleichgesinnte zu treffen und im Idealfall auch noch anderen Menschen zu helfen.
• Weiterbildung ist ein Thema, das im Ruhestand durchaus Beachtung finden sollte. Wer Neues lernt, bleibt geistig aktiv und kann für sich bisher unbekannte Lebensaspekte entdecken. Der Bogen spannt sich dabei vom Handarbeitskurs an der Volkshochschule bis hin zum (außer-)ordentlichen Hörer an einer Universität.
• Sport in Maßen ist ein probates Mittel, um Zeit sinnvoll zu verbringen, neue Kontakte zu schließen und sich ein möglichst hohes Maß an körperlicher Gesundheit zu erhalten. Sie ist letztlich die Basis für ein genussvolles Erleben des Alters. Apropos Kontakte: Da die beruflichen Kontakte – quasi von einem Tag auf den anderen – wegfallen, ist man gut beraten, schon in den letzten Jahren der beruflichen Tätigkeit seinen Freundes- und Bekanntenkreis etwas „aufzustocken“.
Falls man bei der Gestaltung des Ruhestandes trotz aller Bemühungen auf keinen grünen Zweig kommt, helfen nicht nur Gespräche mit Menschen, die diese Situation bereits hinter sich gebracht haben: Auch Seniorenvereine und einschlägige Internet-Plattformen bieten Unterstützung und Know-how bei der Neustrukturierung des Lebens.

Redaktion: BERNHARD LICHTL

http://www.gesund.at/a/aufgaben-im-alter

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